Ein Bericht von Herrn Höhmann

Als abgeordneter Lehrer habe ich bereits in meiner ersten Woche im vergangenen Schuljahr von diesem genialen Projekt gehört. Für mich war damals sofort klar: Da will ich mit! In diesem Schuljahr war es dann tatsächlich so weit. Vom 21. bis 23. August durfte ich gemeinsam mit sechs Schülerinnen und Schülern und dem Team der Outdoor-AG der Oberschule Grimma zur Alpspitze aufbrechen.

Doch wer auf die Alpspitze will, muss sich das vorher ein Stück weit verdienen. In den Wochen und Monaten zuvor standen verschiedene Theorie- und Praxiseinheiten auf dem Programm: Berg- und Wetterkunde, Höhen- und Ausrüstungstraining am Kletterturm in Mockau und schließlich eine Sonnenaufgangswanderung auf den Brocken als eine Art „Fitnesstest“. Als wir schließlich Richtung Alpen starteten, waren alle bestens vorbereitet. Mit dabei waren sechs hochmotivierte Schülerinnen und Schüler – darunter sogar ein „Wiederholungstäter“, der die Tour bereits kannte und unbedingt noch einmal dabei sein wollte. Wenn das nicht für die Qualität dieses Projekts spricht!

Am Freitag, dem 21. August, kamen wir in den Alpen an. Eigentlich sollte der Weg zum Kreuzeckhaus zu Fuß bewältigt werden, doch die Wettervorhersage machte uns einen Strich durch die Rechnung. Für den Nachmittag waren Gewitter angekündigt. Sicherheit geht am Berg vor – also brachte uns die Alpspitzbahn nach oben.

Den Abend verbrachten wir bei unzähligen Gesellschaftsspielen und natürlich immer wieder mit einem Blick auf die Wettervorhersage. Und irgendwann stand fest: Die Chancen stehen richtig gut. Morgen können wir den Gipfel angreifen!

Am nächsten Morgen ging es frisch gestärkt los. Mit der Hochalmbahn fuhren wir bis fast zum Einstieg des Klettersteigs. Spätestens dort wurde jedem bewusst, was an diesem Tag vor uns lag. Der Blick nach oben ließ die Dimensionen unseres Abenteuers erahnen. Irgendwo dort oben wartete das Gipfelkreuz auf uns. Die Vorfreude war riesig – und vermutlich war bei dem einen oder anderen auch eine gehörige Portion Respekt dabei.

Hochmotiviert stiegen wir bei gutem Wetter in den Klettersteig ein. Meter für Meter arbeiteten wir uns nach oben. Immer wieder eröffneten sich beeindruckende Ausblicke, während unter uns die Landschaft zunehmend kleiner wurde. Mit zunehmender Höhe wurden allerdings auch Wind und Kälte deutlich spürbarer. Gleichzeitig kam unser Ziel immer näher: Das Gipfelkreuz war nun immer häufiger und immer deutlicher zu erkennen.

Auf dem Weg dorthin ging es längst nicht nur darum, Höhenmeter zu überwinden. Wir mussten Ängste überwinden, uns gegenseitig vertrauen und uns immer wieder neu motivieren. Einige von uns gingen dabei an ihre Grenzen – und manchmal vielleicht sogar ein kleines Stück darüber hinaus. Genau diese Momente machten die Tour zu etwas Besonderem.

Und dann war es tatsächlich geschafft: Wir standen am Gipfelkreuz der Alpspitze!

Als hätte jemand das Wetter für diesen Moment bestellt, empfing uns oben strahlender Sonnenschein. Nach all den Vorbereitungen, den zurückgelegten Höhenmetern und den Herausforderungen im Klettersteig war dieses Gefühl nur schwer zu beschreiben. Natürlich verewigten wir uns im Gipfelbuch. Danach blieb ein wenig Zeit, die Aussicht zu genießen und zu realisieren, was wir gemeinsam geschafft hatten.

Mit unzähligen Bildern, neuen Erfahrungen und Eindrücken, die wohl noch lange bleiben werden, machten wir uns anschließend über den Nordwandsteig auf den Rückweg zum Kreuzeckhaus. Auch dieser Weg verlangte noch einmal Konzentration und Ausdauer, bevor wir schließlich müde, aber glücklich zurückkehrten.

Am Sonntag wartete auf einen Großteil der Gruppe noch ein weiterer Höhepunkt. Statt ins Tal zu fahren, erfolgte der Abstieg durch die beeindruckende Höllentalklamm – ein würdiger Abschluss für drei außergewöhnliche Tage.

Was bleibt?

Vor allem großer Respekt und Dankbarkeit. Es ist schwer in Worte zu fassen, was Schülerinnen und Schülern durch die Outdoor-AG der Oberschule Grimma ermöglicht wird. Solche Projekte sind weit mehr als eine Art „Klassenfahrt“ oder ein sportlicher Ausflug. Jugendliche erleben hier unmittelbar, was es bedeutet, sich auf andere verlassen zu können, Verantwortung zu übernehmen, Ängste zu überwinden, durchzuhalten und schließlich gemeinsam ein Ziel zu erreichen, das vorher vielleicht unerreichbar erschien.

Mein besonderer Dank gilt deshalb neben der Schulleitung den Herren Wilke, Möning und Haupt, die mit unglaublich viel Engagement solche Erfahrungen überhaupt erst möglich machen.

Ich bin stolz darauf, in diesem Jahr ein Teil dieses Projekts gewesen zu sein. Und nach diesen drei Tagen bin ich mehr denn je davon überzeugt: Es müsste viel mehr Schulen geben, die Jugendlichen solche prägenden Erfahrungen ermöglichen.

Denn am Ende nehmen wir von einem Gipfel weit mehr mit nach Hause als ein paar schöne Fotos. Manchmal erfahren wir dort oben auch etwas über uns selbst.